Wieso wir uns mit unserem Schmerz und unserer Seele beschäftigen sollten

Wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich mich einmal mit spirituellen und esoterischen Themen beschäftigen werde, dann hätte ich wahrscheinlich laut losgelacht. Spiritualität, das war etwas für Leute mit breiten Pluderhosen, Batik-Shirts und Yoga-Matte.

Außerdem war ich ja viel zu beschäftigt. Und zwar mit dem Funktionieren, dem Hinterherhechten von irgendwelchen Zielen, die ich mir selbst auferlegt habe und damit, gesellschaftlichen und privaten Erwartungen zu entsprechen. Bis ich dann an einem Punkt kam, an dem gar nichts mehr ging und ich irgendwo ganz weit unten angekommen war.

Aber das Gute ist: Wenn man den Boden komplett unter den Füßen verloren hat, gibt einem genau das auch die Möglichkeit, noch einmal ganz neu anzufangen. Sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, sich damit zu beschäftigen, wer man ist und was man eigentlich will im Leben. Und dann erkennt man, dass es Zeit ist, etwas im Leben zu verändern. Zeit ist, andere Wege zu gehen. Und sich vielleicht auch Themen zu öffnen, die man vorher nur belächelt hat.

Karriereplanung statt Seelenarbeit

Es ist schon irgendwie absurd: Wir arbeiten an unserer Karriere, arbeiten an unserem Körper, arbeiten an unseren Zukunftsplänen – aber mit unserer Seele beschäftigen wir uns nicht. Wir schlucken Gefühle und Verletzungen runter, überdecken den Schmerz mit Alkohol, Arbeit oder wechselnden Beziehungen und tun alles, um uns nicht mit unserem Inneren auseinanderzusetzen. Dabei gibt es nur ein Problem: Es funktioniert nicht. Nicht auf die Dauer. Aber wie so oft im Leben fängt man erst dann an, Dinge zu hinterfragen, wenn das Leben einen dazu zwingt.

Dabei lernt man so unglaublich viel über sich selbst, wenn man anfängt, sich mit seiner Seele zu beschäftigen. Und wenn man diesen Weg mit anderen Menschen gemeinsam bestreitet, dann ist das ein unglaublich intensiver und verbindender Prozess. Genau das durfte ich in den letzten Monaten gleich bei zwei wunderbaren Workshops erfahren, nämlich bei „Open Hearts – Connected Souls“ und beim „Spring Healing“. Geleitet wurden die  Workshops von Ludwig vom Blog Seelenrave und von Nadine von Rise und Shine Berlin. Durch den Blog Seelenrave bin ich zum ersten Mal auf das Thema Healing aufmerksam geworden und konnte mich so durch die Blogberichte schon ein bisschen in diese Thematik einlesen. Und je mehr ich las, umso weniger fremd wurde mir die spirituelle Welt. Und umso größer wurde das Gefühl: Ich will noch mehr erfahren! Und ich möchte an einem Workshop teilnehmen!

Open Hearts – Connected Souls & Spring Healing

Und so wagte ich irgendwann den Sprung ins kalte Wasser und meldete mich an.
Beim Workshop „Open Hearts – Connected Souls“ ging es darum, sich mit sich selbst und anderen zu verbinden und die Liebe – sei es auf Beziehungsebene, familiärer Ebene oder die Selbstliebe – in sein Leben zu lassen. Und darum rauszufinden, welche Ängste oder negativen Glaubensätze uns hierbei im Wege stehen. Nachdem mich der Healing-Workshop so begeistert und inspiriert hatte, meldete ich mich kurzer Zeit später auch gleich zu meinem zweiten spirituellen Workshop an. Beim „Spring Healing“ wurde dann noch einmal auf einer anderen Seelenebene gearbeitet. Hier ging es darum, sich mit seinem Schmerz auseinanderzusetzen und diesen anzunehmen. Klingt erstmal nicht nach etwas, mit dem man sich freiwillig beschäftigen möchte …

Man sollte es aber dennoch tun. Ja, sich mit seinem Innenleben, seinen Ängsten und seinen schmerzhaften Erfahrungen auseinanderzusetzen, das kostet Überwindung. Und das ist oft nicht angenehm, im Gegenteil. Das Ganze dann auch noch in einer Gruppe mit fremden Menschen zu tun, da fragt man sich kurz selbst, wieso man sich dies überhaupt antut. Denn es erfordert Mut. Mut, seine Maske abzulegen und sich mit seinen Verletzungen zu zeigen. Aber: Es lohnt sich! Denn um Licht und Liebe in sein Leben zu lassen, muss man sich manchmal auch mit der Dunkelheit und dem Schatten beschäftigen. Und manchmal muss man auch erst Altes aufarbeiten, um Platz für Neues zu schaffen. Fast so ein bisschen wie ein Frühjahrsputz für die Seele.

Am Schmerz wachsen

Das Schöne ist, dass man während dieses Prozesses nicht nur so unglaublich viel über sich selbst lernt, sondern auch über andere. Man erkennt, dass man mit seinen Gefühlen und seinen Ängsten nicht alleine ist. Man merkt, wie gut es tut, sich zu öffnen und sich in dem Anderen und seinen Erfahrungen wiederzuerkennen. Und man kreiert so einen Raum, in dem man sich auf einer ganz anderen, tiefen Ebene begegnen und verbinden kann. Und das ist gerade in einer anonymen Stadt wie Berlin, in der man sich in der U-Bahn kaum in die Augen sieht und jeder mit sich selbst beschäftigt ist, eine wunderbare Erfahrung.

Wir alle haben den Impuls, unangenehme Dinge wegzuschieben und zu verdrängen, aber ich glaube, es sind genau die schwierigen und schmerzhaften Erlebnisse, durch die wir wachsen und lernen – wenn wir uns mit ihnen beschäftigen und ihnen Zeit und Raum zur Heilung geben.

Und das ist manchmal hart, aber es bringt einem auch ein ganzes Stück weiter auf dem Weg zu sich selbst.

 

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