Angekommen in Hoi An

Manchmal kommt man an einem Ort an, bei dem man es gar nicht erwartet. Eigentlich hatte ich gar nicht geplant nach Vietnam zu reisen – und ich hatte nicht geplant, so lange zu bleiben … Das Hauptziel meiner Reise war die New Life Foundation in Thailand. Und auch wenn ich sehr dankbar für all die intensiven Momente bin, die ich dort erleben durfte: So richtig wohl gefühlt und angekommen bin ich dort nicht.

Village An My

Dafür habe ich mein Herz an einen Ort verloren, der überhaupt nicht auf meiner Reise-Agenda stand: Hoi An, eine Küstenstadt mit 75.000 Einwohnern in Zentralvietnam. Und es war keine Liebe auf den ersten Blick – aber eine auf den Zweiten! Denn es hat ein paar Umzüge und Erkundungstouren gebraucht, bis ich hier „mein Viertel“ gefunden habe. Dieses liegt 3 km von der Alstadt entfernt und eigentlich ist „Stadtviertel“ auch die falsche Beschreibung. Denn die Gegend, in der ich hier wohne, erinnert eher an ein Dorf und trägt passenderweise auch den Namen „Villlage An My“.

Abenddämmerung, Reisfelder und Bergkulisse

Hier mitten zwischen idyllischen Reisfeldern habe ich eine Unterkunft gefunden, in der ich zum ersten Mal dieses Gefühl von „zu Hause“ hatte. Eigentlich wollte ich im Rice Field Homestay, einem Airbnb, nur 4 Tage bleiben, aber inzwischen wohne ich seit fast zwei Monaten hier. Das liegt nicht nur an der tollen Unterkunft, sondern auch an tollen Gastgebern Mike und Hanh, einem britisch-vietnamesischem Pärchen. Diese haben mich so herzlich aufgenommen und lassen mich an ihrem Alltag teilhaben, dass ich das Gefühl habe, als gehöre ich schon fast mit zur Familie.

Ausblick vom Balkon – und ein Sonnenuntergang wie auf einer Postkarte
Ausblick von einem der anderen Zimmer über die Reisfelder

Mit dem Fahrrad durch die Reisfelder

Neben der Unterkunft habe ich mich vor allem in die Natur verliebt: Von meinem Balkon aus blicke ich über die grünen Reisfelder. Morgens höre die Vögel zwitschern und die Hähne krähen, und abends die Grillen zirpen. Und wenn ich hier mit dem Fahrrad durch die Reisfelder radel, mein Blick über die grünen Flächen, die grasenden Wasserbüffel und die Vögel streift, die mit dem Wind sanft über die Reisfelder gleiten, dann ist es auf einmal da: das Gefühl von Glück. Das Gefühl, endlich meinen Ort gefunden zu haben. Das Gefühl anzukommen. Und das Gefühl, eine zweite Heimat gefunden zu haben.

Mit dem Rad durch die Reisfelder

Die Altstadt von Hoi An

Was Hoi An für mich so besonders macht, ist, dass der Ort alles hat: Natur und ruhige Orte (auch wenn man die erstmal finden muss), eine lebhafte Altstadt – und den Strand und das Meer.

Die Altstadt von Hoi An hat mit ihren bunten und farbenfrohen Häusern einen ganz besonderen Charme. Kein Wunder, dass die Altstadt 1999 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Denn Hoi An ist die einzige Altstadt, die während des Vietnamkrieges unversehrt geblieben ist. Hoi An zählte früher außerdem zu dem größten Hafen Südostasiens, der an der Seidenstraße lag. Die verschiedenen kulturellen Einflüsse, zum Beispiel aus Japan und Südchina, spiegeln sich ebenfalls in den Gebäuden wieder.

Farbenfrohe Häuser und Gebäude sind typisch für Hoi Ans Altstadt

In der Alstadt reihen sich Cafés, Restaurants, Handwerksläden und Souvenirshops aneinander. Was das Tolle ist, dass man hier alles findet und alles ineinander übergeht: Das süße Café mit Kuchen, Smoothies und westlichen Kaffee-Spezialitäten befindet sich direkt neben der Garküche, in der man Streetfood wie Pho-Suppe oder Banh Mi essen kann.

Eines der Wahrzeichen der Alstadt: Die japanische Brücke

Lichtermeer bei Nacht

Die Altstadt in Hoi An ist abends besonders schön, denn hier verwandelt sich die ganze Stadt in ein Lichtermeer aus bunten Lampignons! Etwas, das ich so noch in keiner anderen Stadt gesehen habe … Auf dem Fluss, der sich entlang der Alstadt zieht, kann man abends außerdem mit kleinen Gondeln entlangfahren und es werden unzählige kleine Lichter ins Wasser gesetzt. Die ganze Atmosphäre hat deshalb – von den Touristenscharen abgesehen – etwas sehr Romantisches und erinnert auch ein wenig an Venedig.

Bunte Lampignos, soweit das Auge reicht: Hoi An am Abend

Das Stadtzentrum von Hoi An ist allerdings auch sehr überlaufen – und der Verkehr zur Rush Hour ziemlich verrückt … Gerade am Abend ist die Stadt so voll, dass man oft nicht mal mehr einen Platz findet, um sein Fahrrad oder Motorbike abzustellen … Zwar ist ein Teil der Alstadt abends zeitweise für Motorräder abgesperrt, aber dafür ist die Innenstadt so mit Menschen überfüllt, dass es sich nicht wirklich „verkehrsberuhigt“ anfühlt. Und auch wenn ich mich mittlerweile erstaunlicherweise an diesen verrückten Verkehr gewöhnt habe: Im Stadtkern wohnen möchte ich nicht.

Wenn das Meerweh kommt …

Wer von der wuseligen Altstadt genug hat, der findet am Meer Ruhe und Erholung. Der Ang Bang Beach ist vielleicht nicht der Karibik-Strand mit dem türkisfarbenen Meer oder dem klarsten Wasser – aber er ist tatsächlich einer der Strände, die (noch) ganz unverbaut sind und an dem keine Hotelklotze stehen. Hier kann man stundenlang am Strand spazieren gehen oder in einem der entspannten Beach-Restaurants und Beach-Bars abhängen.

An Bang Beach bei nebliger Sicht
Strand-Impressionen. Im Hintergrund kann man die Cham Inseln sehen.

Das Tolle ist, dass man am Ang Bang Beach alles findet: Das elegante, hochpreisige Beach-Restaurant liegt direkt neben der chilligen Reagge-Beach-Bar und kleine, vietnamesische Lokale und Streetfood-Stände gibt es hier ebenfalls. Wer es etwas lebhafter mag, der bleibt direkt beim Haupteingang des Strandes, aber wenn man nur ein paar Minuten mit dem Fahrrad weiterfährt, hat man den Strand fast für sich alleine! Bei guter Sicht kann man vom Strand aus bis nach Da Nang oder zu den Cham Islands schauen.

Generell zeigt sich das Meer in Hoi An jeden Tag von einer anderen Seite: Mal ist es sonnig, die Sicht ist klar und das Meer ist ruhig und dann, ein paar Stunden später, ist es auf einmal so neblig, dass man die Nachbarinseln nicht mehr erkennen kann. Und der Wind und die Wellen sind manchmal so stark, dass man das Gefühl hat, eher an der Ostsee als in Asien zu sein … Aber am nächsten Tag kann es schon wieder ganz anders sein. Langweilig wird es am Ang Bang Beach also nie, denn jeder Strandbesuch fühlt sich anders und einmalig an.

Ang Bang Beach bei Sonne und klarer Sicht

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2 Kommentare

  1. Hallo Antonia, wieder habe ich mit großem Interesse deine Beschreibungen gelesen. Vielen Dank für deine Eindrücke. Wie lange bleibst du denn nun noch in Hoi An ?Bei uns ist inzwischen auch der Frühling eingekehrt. Es sind schon 24 Grad. ich wünsche dir noch weiterhin viele schöne Erlebnisse und Begegnungen und grüsse dich herzlich Anne F.

  2. Hallo Anne, schön dass du meine Reise noch immer mitverfolgst:) Ich habe Hoi An vor ein paar Wochen verlassen. Nach Stationen in Hue, Ninh Binh und Cat Ba Island/Ha Long Bay bin ich nun in Hanoi angekommen. Schön zu hören, dass der Frühling nun auch in Deutschland angekommen ist! Morgen geht es nämlich zurück nach Deutschland;) Liebe Grüße aus Hanoi!

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