Inspiring People: Nguyen Thi Huong Lien von I love Vietnam Tour

In meinem letzten Blogpost habe ich angekündigt, dass ich in Zukunft mehr über Dinge und Menschen schreiben möchte, die mich inspirieren. Die junge Vietnamesin Nguyen Thi Huong Lien gehört zu diesen Menschen.

Lien bei einer ihrer Touren

Kennengelernt habe ich Lien vor einigen Monaten während meiner Zeit in Hoi An. Eine Freundin von mir hatte mir die I love Vietnam Tour empfohlen, welche Lien ins Leben gerufen hat. Und als ich auf die Website gegangen bin, war ich sofort Feuer und Flamme vom Konzept! Denn die Touren werden ausschließlich von „Lady Biker“ gefahren, sprich alle Tourguides sind Frauen. Das fand ich schon mal klasse, denn anders als bei europäischen Stadtouren kann es in Vietnam passieren, dass du eine Tour buchst und die einzige Teilnehmerin bist. Gerade wenn man als Frau alleine reist, fühlt es sich dann manchmal schon ein bisschen komisch an, bei einem fremden Mann auf dem Motorrad zu sitzen, der mit dir durch die Gegend brettert …

Frauenbild & Emanzipation in Vietnam

Dass Frauen Motorradtouren anbieten beziehungsweise als Tourguide arbeiten, ist in Vietnam übrigens etwas Besonderes. Denn Frauen arbeiten hauptsächlich als Verkäuferinnen, sind meist alleine für die Kinder und den Haushalt zuständig und ihnen wird generell weniger zugetraut als Männern. Das Thema Emanzipation steckt in Vietnam also noch in den Kinderschuhen und ändert sich erst langsam mit der jüngeren Generation.

Lien ist einer dieser Menschen, die zu dieser Veränderung beiträgt. Denn in ihrem Unternehmen stellt sie ausschließlich Studentinnen als Tourguide ein. Diese können so während ihres Studiums Erfahrungen in der Tourismusbranche und mit Touristen sammeln, ihre Englisch-Kenntnisse verbessern und nicht zuletzt ihr Selbstbewusstsein stärken. Denn „Female Empowerment“ ist eines deiner großen Steckenpferde von Lien. Ein weiterer Leitsatz der jungen Vietnamesin ist es, der Gesellschaft und Gemeinschaft etwas zurückzugeben. Aus diesem Grund wandert ein Teil des Profits der Touren auch zurück und geht an regionale NGOs.

Vitenamesische Straßenverkäuferinnen in Hanoi

Dream Big

Die Entstehungsgeschichte von I love Vietnam Tour ist übrigens auch ziemlich beeindruckend. Lien hat das Unternehmen nämlich mit nur 23 Jahren und einem Startkapital von nur 100 Dollar gegründet! Während sie zunächst nur Motorbike-Touren in der Stadt Hue anbot, kann man die Touren mittlerweile auch in Hoi An, Saigon, Da Nang sowie Hanoi buchen. Und auch für die Zukunft hat Lien große Pläne, denn aktuell arbeitet sie an einem Konzept, um ihre Touren auch nach Laos und Kambodscha zu bringen, damit sie auch dort junge Frauen auf ihrem Weg zu mehr Selbstbewusstsein und beruflicher Unabhängigkeit unterstützen kann.

Mit dem Motorbike durch Hanoi

Generell gibt es bei I Love Vietnam Tour eine große Auswahl an Touren, die alle einen unterschiedlichen Fokus haben. So gibt es zum Beispiel Tempel-Touren, Nachttouren oder Food-Touren, bei denen es vor allem darum geht, sich durch die jeweilige Stadt zu schlemmen. Natürlich habe auch ich es mir nicht nehmen lassen, eine Tour mitzumachen und habe mich für die Historical Tour in Hanoi entschieden. Mit über 40 Dollar sind die halbtägen Touren zwar teurer als andere Motorbike-Touren, aber man weiß ja, wohin der Gewinn geht und dass man in ein tolles Projekt investiert. Das Schöne ist auch, dass man die Touren individuell anpassen kann und zum Beispiel einen Spot auslassen kann, wenn man diesen schon kennt und dafür lieber an einer anderen Stelle halten möchte.

Abgeholt wird man praktischerweise von seiner Unterkunft. Wenn es gerade keine anderen Buchungen für dieselbe Tour gibt, wie das bei mir der Fall war, dann macht man die Tour ganz alleine und hat seine persönliche Stadtführerin – und fahrerin. Der erste Stopp während meiner Hanoi Tour war ein uriges Cafe, das zu den ältesten und beliebtesten Spots für „Egg Coffee“ gehört. Alleine hätte ich das versteckte Café wahrscheinlich nicht gefunden (oder wäre nicht hineingegangen). Umso glücklicher war ich, dass mich meine Lady Bikerin an diesen Ort geführt hat.

Beliebt für Egg Coffee: das Café Giang
Meine persönliche Stadtführerin in Hanoi

Andere Länder, andere Getränke: der Egg-Coffee

Egg Coffee ist eine Spezialität in Hanoi und es handelt sich hierbei tatsächlich um Kaffee, der mit rohen Eiern zubereitet wird – und der erstaunlich gut schmeckt! Ein bisschen kann man sich den Geschmack wie Eierlikör vorstellen, nur dass das Getränk statt mit Alkohol eben mit Kaffee zubereitet wird.

 

Kaffee mit aufgeschlagenen Eiern – lecker und sehr gehaltvoll

Kultur & Literatur

Die nächsten Stops auf der Tour waren dann das „Vietnamese Women Museum“ sowie der „Temple of Literature„. Bei letzterem handelt es sich nicht, wie man aufgrund des Namens vermuten könnte, um einen religiösen Tempel, sondern um eine ehemalige Universität – und zwar die Erste des Landes. Hier hatte ich das Glück, dass gerade auch einige Gruppen von Schülern und Schülerinnen beziehungsweise Studentinnen ihren Abschluss gefeiert haben, denn der Literaturtempel ist hierfür ein beliebter Ort.

Vietnamesische Studentinnen

Streetfood in Hanoi: Bun Cha

Als kleiner Foodie war der Lunch natürlich eines meiner Highlights. In Hanoi gibt es unzählige kleine und enge Gassen, durch die man sich schlängelt und in denen Streetfood, Obst und Gemüse verkauft werden. Wir haben in einem urigen kleinen Hütte Platz genommen, die nicht nur wie ein Wohnzimmer eingerichtet war, sondern bei der es sich auch tatsächlich um das Wohnbereich der vietnamesischen Verkäuferin gehandelt hat (inklusive persönlicher Familienfotos an der Wand). In Vietnam ist eben alles etwas anders. Serviert wurde hier Bun Cha, ein typisches Gericht für Hanoi. Es besteht aus gegrilltem Schweinefleisch, das in einer süß-sauren Fischsauce serviert wird und zu dem Reisnudeln und Kräuter gegessen werden, die man ebenfalls in die Sauce tunkt. Sehr, sehr lecker!

Bun Cha: Gegrilltes Schweinefleisch, Frühlingsrollen, Reisnudeln & Kräuter

Hello Sweet Pudding

Zum Abschluss gab es an einem anderen Stand noch Dessert – und zwar „Che“. Hiermit werden verschiedene geleeartige Puddinge bezeichnet, die mal mit Früchten, aber auch mit Bohnen hergestellt werden und die mit Kokosnussmilch serviert werden. Zwar sieht das Ganze etwas gewöhnungsbedürftig, weil sehr glibberig aus – aber schmecken tut es ziemlich gut! Das Ganze ist allerdings extrem süß, weswegen zu dem Ganzen Eiswürfel gereicht werden, die man dazu isst, um die Süße abzumildern. Nachdem ich in Vietnam ja bereits so einige ungewohnte Speisen kennengelernt habe, war dieses Konzept auch für mich nochmal kulinarisches Neuland …

Desserts auf vietnamesische Art

„Little Paris“ in Hanoi

Hanoi ist übrigens so oder so einen Besuch wert. Zwar ist Hanoi (wie alle asiatischen Großstädte) sehr laut, chaotisch und wuselig, trotzdem hat die zweitgrößte Stadt Vietnams einen ganz besonderen Flair. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören das Old Quarter, mit seinen unzähligen engen Gassen, in denen Streetfood, Lebensmittel oder andere Dinge verkauft werden sowie natürlich auch das französische Viertel.

Großstadttroubel – aber auch überall grüne Bäume


Hanoi war – wie viele Teile Vietnams – in der Kolonialzeit von den Franzosen besetzt war. Die französischen Einflüsse sind auch heute noch stark präsent, sodass man in der Stadt unzählige Cafés, imposante Gebäude, prunkvolle Kirchen, Museen und andere öffentlichen Bauten vorfindet. Besonders schön sind auch die vielen baumgesäumten Alleen, die hier überall verbreitet sind. Generell ist Hanoi eine Stadt der Gegensätze: Alt und neu, modern und historisch, asiatisch und westlich alles trifft hier aufeinander und vermischt sich. Und genau dieser Kontrast macht Hanoi zu so einer spannenden Stadt.

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