Von Hoi An mit dem Zug nach Hue

Hue stand eigentlich gar nicht auf meiner Reiseliste … Über die Stadt wusste ich nur, dass es dort eine sehenswerte Zitadelle gibt – und dass sie größer ist als Hoi An. Da ich größer automatisch mit mehr Verkehr und mehr Stress verbinde, bin ich also mit gemischten Gefühlen und ohne große Erwartungen nach Hue gereist. Zudem hatte ich mein Herz ja schon an Hoi An verloren – dachte ich! Denn Hue hat mich von ersten Moment an verzaubert, womit ich so gar nicht gerechnet habe. Aber fangen mit der Reise nach Hue an.

Entlang des Hai-Van-Passes

Wer von Hoi An nach Hue reist, der sollte dies unbedingt mit dem Zug tun. Die Zugfahrt ist nicht nur spottbillig (umgerechnet 2,80 Euro für 3 Stunden Fahrt), sondern ist auch eine der schönsten Strecken, die ich bisher mit dem Zug zurückgelegt habe! Der Zug fährt nämlich am Hai-Van-Pass entlang und bietet einen atemberaubenden Ausblick über den Ozean, die Stadt Da Nang sowie auf die grünen Truong-Son-Berge! Ein Panorama-Blick, den man gar nicht in Worte fassen kann … Normalerweise ist der Hai-Van-Pass oft in Nebel gehüllt, aber ich hatte tatsächlich das Glück, dass die Sicht am Tag meiner Reise klar war. Leider saß ich nicht auf der Seite des Ozeans, sodass ich nicht viele Fotos machen konnte, aber der Blick war einmalig!

Blick aus dem Zug von Hoi An nach Hue

Ich war zudem überrascht, wie modern der Zug war: Die Sitze sind gepolstert, es gibt eine Klimaanlage und sogar Steckdosen, um sein Handy oder Laptop aufzuladen. Auch für die Verpflegung ist gesorgt: Es kommen regelmäßig Angestellte vorbei, bei denen man Wasser, Kaffee, Eier oder in Bananenblätter gerollten Reis kaufen kann. Das Zugnetz verbindet übrigens alle wichtigen Städte in Vietnam, sodass man prinzipiell von Süd- bis Nordvietnam alles mit dem Zug erreichen kann. Praktischerweise gibt es auch Schlafabteile, sodass der Zug definitiv eine bequemere (und sichere) Alternative zu Nachtbussen ist.

Der Nord-Westen von Hue

In Hue hatte ich das Glück, dass ich die ersten zwei Tage bei einer vietnamesischen Bekannten im alten Teil der Stadt untergekommen bin. Dieser liegt noch ein Stück weiter nördlich von der Zitadelle. Die Nachbarschaft hat es mir vom ersten Moment angetan: Grüne Bäume und Alleen so weit das Auge reicht, wunderschöne Häuser mit bepflanzten Balkonen – und überall Wasser und Flüsse!

Einer der vielen Flüsse in Hue

Etwas, das man an fast jedem Haus findet: Die vietnamesische Flagge

In dieser Ecke der Stadt gibt es keine Hotels und hier wohnen ausschließlich Vietnamesen (ich war tatsächlich die einzige Westlerin weit und breit), sodass es toll war, diese typisch vietnamesische Nachbarschaft von Hue kennenzulernen. Ich war außerdem überrascht, wie viel ruhige und idyllische Ecken Hue hat. Überall findet man ruhige Seitenstraßen, grüne Flächen und Parks mit Blick aufs Wasser – perfekt um zwischendurch mal durchzuatmen. Was die Häuser angeht, so war ich erstaunt, wie viele kleine „Villen“und prunkvolle Fassaden man hier findet … Wahrscheinlich sind dies aber noch die Einflüsse der Franzosen aus der Kolonialzeit.

Prunkvolle Fassaden und Stuckverzierungen

Stadtzentrum von Hue & die Zitadelle

Das Stadtzentrum von Hue hat mir ebenfalls vom ersten Moment gefallen. Hier gibt es so viele tolle Cafés und Restaurants. Und es ist tatsächlich um einiges günstiger als Hoi An – vor allem, wenn man die westlichen Restaurants  meidet und in die Seitenstraßen beziehungsweise die einheimischen Restaurants geht. Das typisch vietnamesische Baguette namens Banh Mi gibt es hier tatsächlich für 15.000 Dong, was umgerechnet nicht einmal 50 Cent sind! Was außerdem toll ist, dass einige Straßen der Stadt (ähnlich wie in Hoi An) am Wochenende zu den Abendstunden für Motorräder gesperrt sind und dann zu „Walking Streets“ werden.

Die Zitadelle von Hue ist ebenfalls einen Besuch wert. Hierbei handelt es sich um die frühere Residenz der Kaiser der vietnamesischen Nguyễn-Dynastie. Die Zitadelle enthält einen Kaiserpalast nach dem Vorbild der „Verbotenen Stadt“ in Peking und hier gibt es alte Stadttore, Überreste der Stadtmauern und prunkvolle Gebäude zu besichtigen. Die Zitadelle ist außerdem UNESCO-Weltkulturerbe.

Eines der vielen Tore der Zitadelle
Prunkvolle Gebäude
Wer es touristisch mag, der kann sich hier in die Gewänder des Kaisers hüllen – und auf seinem Thron Platz nehmen

Auch wenn sich in der Zitadelle natürlich viele andere Touristen tummeln, so findet man doch immer wieder ruhige und grüne Ecken, in denen man die Atmosphäre auf sich wirken lassen kann. Ich habe mich hier einfach für eine Weile mit einem Buch abseits der Hauptgebäude niedergelassen und ein wenig die Seele baumeln lassen. Den kaiserlichen Garten, der im hinteren Teil der Zitadelle liegt, sollte man auf jeden Fall auch besichtigen – eine grüne Oase!

Grüne Oase: Der königliche Garten

Flussleben

Wenn einem das Stadtleben zu wuselig ist, dann kann man am Perfume River wunderbar entspannen – und die tolle Aussicht aufs Wasser und die Berge genießen! Gerade an einem heißen Tag lässt es sich hier im Schatten und mit einer leichten Brise gut aushalten. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich tatsächlich noch keine einzige Tour während meiner Reise gebucht, aber ich bin froh, dass ich mir in Hue eine Bootsfahrt habe „anschwatzen“ lassen. Denn ich hatte tatsächlich das ganze Boot für mich alleine – und der Ausblick war traumhaft!

Flusspromenade
Wasser, Berge, Sonne – so lässt es sich aushalten.
Die Thien Mu Pagode, ein weiteres Wahrzeichen von Hue

Zudem waren zwei ganz besondere Gäste mit an Board: Ein kleiner Junge und eine Katze – und wie die beiden miteinander gespielt haben, war einfach nur goldig! Da habe ich die erste Hälfte der Bootsfahrt ganz vergessen, aus dem Fenster zu schauen …

Kind und Katze beim Spielen – kann mich nicht entscheiden, wer von beiden süßer ist …

 

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1 Kommentar

  1. Hallo Antonia, vielen lieben Dank für deine Karte, die nach einem Monat Reisezeit nun bei uns angekommen ist!Jetzt bist du ja schon einige Wochen länger in Vietnam und findest weiterhin tolle Plätze. Ich hoffe, das geht so weiter;)

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